Hebammenlandesverband startet Kampagne für eine normale Geburt

von Yvonne Oheim (Kommentare: 0)

Der Landesverband der Hebammen NRW war am 16.03.12 auf der Fachtagung „Frauen.Gesundheit.NRW“ vertreten, die anlässlich des Internationalen Frauentags in Düsseldorf stattfand. Ein guter Ausgangspunkt für den Landesverband, um hier in NRW die Kampagne für die normale Geburt ins Leben zu rufen.
Die Ziele unserer Kampagne sind: 
  • normale Geburten zu unterstützen,
  • für normale Geburten zu begeistern, 
  • daran zu erinnern, dass schöne Geburtserlebnisse trotz aller Herausforderungen möglich sind!
Unser Motto ist:
  • Eingriffe und Kaiserschnitte sind nicht erste, sondern letzte Wahl!
  • Gemeinsam können wir die Art und Weise, wie Kinder geboren werden, verändern!
Anlass für die Kampagne ist die beängstigende Steigerung von Kaiserschnittgeburten! 
Seit Jahren lässt sich ein kritischer Trend verzeichnen. Während früher die spontane Geburt die Regel war, scheint heutzutage die Sectio zum Normalfall zu werden. In NRW ist bereits jede dritte Entbindung ein Kaiserschnitt – NRW liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt. Vor 20 Jahren lag der Anteil der Kaiserschnittgeburten bei 16,9 % - mittlerweile hat er sich etwa verdoppelt. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig wissenschaftlich erforscht, aber zu vermuten. Immer mehr Schwangere werden als Risikoschwangere eingestuft, das Haftungsrecht der Ärzte spielt eine Rolle – und schließlich ist zu bedenken, dass Kaiserschnittgeburten für Kliniken lukrativer sind als herkömmliche Geburten. 
Ohne Hebammen kein Rückgang von Kaiserschnitten
Der besorgniserregende Anstieg der Kaiserschnittgeburten zeigt jedoch auch: Hebammen werden zurückgedrängt! SPD und Grüne im Land haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Sectiorate zu verringern. Ohne Hebammen geht das nicht! Denn wenn die natürliche Geburt unterstützt werden soll, ist die 1:1-Betreuung durch eine Hebamme erforderlich. Doch die Zahl der Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, ist aufgrund der Steigerung der Haftpflichtprämien und der extrem niedrigen Entlohnung bereits zurückgegangen. Damit es genug Hebammen gibt, müssen sie von ihrer Arbeit leben können! Deshalb appellieren wir an unsere Politiker/-innen: Die Finanzierung der Hebammen muss gesichert sein. Ohne Hebammen keine Senkung der Kaiserschnittrate!
Wie sind die hohen Kaiserschnittraten zu erklären? 
Sind es die Kliniken und Ärzte, für die eine Sectio lukrativer ist? 
Oder sind es die Frauen selbst, die Angst vor der natürlichen Geburt haben oder denen die normale Geburt einfach nicht in ein durchgeplantes Leben passt? 
Renate Egelkraut stellt sich als Vorsitzende des Landesverbands den Fragen der WDR-Redaktion.
Aktuell: Gesundheit/Kleine Anfrage

 

Berlin: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nimmt die steigende Zahl an Kaiserschnittentbindungen in Deutschland unter die Lupe. In einer Kleinen Anfrage (17/8862) erkundigen sich die Abgeordneten unter anderem nach einer Bewertung der Bundesregierung. Die Grünen verweisen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, wonach im Jahr 2005 noch 28 Prozent aller Entbindungen per Kaiserschnitt erfolgten. Im Jahr 2008 seien es dann 31,3 Prozent gewesen.
 
Der Landesvorstand
Renate Egelkraut & Barbara Blomeier
Quelle: LV NRW

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